A review by premium_huhn
Certain Dark Things by Silvia Moreno-Garcia

adventurous dark mysterious fast-paced
  • Plot- or character-driven? A mix
  • Strong character development? Yes
  • Loveable characters? Yes
  • Flaws of characters a main focus? It's complicated

4.0

Der 17-jährige Domingo lebt in Mexico City und schlägt sich mit dem Sammeln und Verkaufen von Schrott durch. Sein unsichtbares Leben nimmt eine äußerst unerwartete Wendung, als er die geheimnisvolle Atl trifft. Die schöne und intelligente junge Frau fasziniert ihn - erst recht, als sie ihm offenbart, dass sie eine Tlāhuihpochtli ist, die Erbin eines aztekischen Vampirclans. Wie sich herausstellt, ist Atl bei Weitem nicht die größte Gefahr, die derzeit in Mexico City lauert. Atl hat viele Feinde und wenige, fragwürdige Freunde und indem er sich mit ihr zusammentut, gerät auch Domingo zwischen die Fronten.

Das Buch wurde in unserem Buchclub mit einiger Begeisterung vorgestellt und war die Lektüre absolut wert. Ich lese gern Urban Fantasy und erst recht lese ich gerne Vampirgeschichten und diese hier macht sehr viel richtig:

Die Vampire sind interessant. Die Autorin bringt nicht nur die klassischen europäischen Vampirmythen mit in die Geschichte, sondern stellt unter anderem mittelamerikanische Blutsaugermythen in den Fokus ihrer Erzählung. Die Tlāhuihpochtli als Vogelgestaltwandler sind wirklich mal etwas ganz anderes. Auch die anderen Vampire haben interessante Eigenheiten, die sich jeweils aus ihrer Historie ergeben (so jedenfalls die Überzeugung der Vampire, wer weiß, obs stimmt). Mir hat auch die Idee gut gefallen, dass Vampire ihre menschlichen Anhänger "Renfields" nennen. Und dass diese besondere Beziehung zwischen einem Vampir und seinem Renfield sehr unterschiedlich aussehen kann, abhängig davon, was genau beide darin suchen.

Die Erzählfiguren sind interessant. Allen voran natürlich Atl und Domingo, die beide auf ihre Art Stärke zeigen müssen und Schwächen zu verbergen haben. Domingo fand ich klasse - er ist einerseits ein wenig naiv, dabei aber keinesfalls leichtsinnig. Ungebildet, aber nicht blöd. Vor allem aber sehr fähig darin, in der Lage zu leben und das beste aus seiner jeweiligen Situation zu machen. Und eine absolut treue Seele. Neben den Hauptfiguren mochte ich aber auch die Polizistin sehr, die sich aufreibt zwischen ihrem Anspruch an gute Arbeit, ihrem Wunsch nach Ruhe und Frieden und ihrem Ziel, der eigenen Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Eine sehr nahbare Figur, die die weniger romantischen und fantastischen Seiten der Stadt deutlich macht.

Das Setting ist interessant. Das alternative Mexico City, eine abgeschlossene Stadt mit bestehendem Vampirbann. Ein Neo-Noir-Setting, in dem die Schatten etwas dunkler sind und das Neonlicht greller scheint. Eine spannende Idee, Vampire einerseits als gegeben und bekannt im Setting zu etablieren, andererseits aber eine Stadt als Schauplatz zu wählen, in der Vampire laut Gesetz nicht vorzukommen haben und daher der Umgang mit ihnen nicht selbstverständlich ist.

Und wisst ihr, was auch toll ist? Das ist ein einzeln für sich stehender Band! Nur einer! Keine ausufernde Reihe, kein Breittreten einer 0815-Story. Die Autorin hatte eine Idee, die sie erzählen wollte und hat diese umgesetzt. Und dann aufgehört, als sie ihre Idee auserzählt hatte. Kudos!

Ich hätte mir, mein einziger Kritikpunkt, gewünscht, dass gar keine Liebesbeziehung vorkommt. Aber da die enthaltene wirklich sehr süß ist und gar nicht so prominent um ihrer selbst willen im Vordergrund steht, hats mich auch nicht gestört.

Leseempfehlung aus dem Buchclub gebe ich gern weiter: Wer Bock auf Urban Fantasy und mal andere Vampirgeschichten hat, wird hier sehr gut bedient.