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A review by celina31
So sieht Feminismus aus by Lucy Delap
informative
reflective
slow-paced
5.0
Ich bin Feministin. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir einen intersektionalen Feminismus brauchen. Gleichzeitig lebe ich nun mal als weiße, nicht-behinderte cis Frau in Deutschland und wurde auch hier geboren. Auch meine Bisexualität sieht man mir nicht an. In vielerlei Hinsicht bin ich also sehr privilegiert. Und gerade die Tatsache, dass ich in einem sehr westlichen Umfeld lebe, begünstigt, dass ich nur selten feministische Bücher lese, die nicht von Autori*innen stammen, die meine Privilegien teilen. Und ich lese viele Bücher, die Intersektionalität nicht im Blick haben. Und so fühlte ich mich sehr angesprochen vom Klappentext zu So sieht Feminismus aus. Denn während mir die drei zuerst genannten Namen durchaus etwas sagen (und so wird es wohl den meisten Feminist*innen gehen), hatte ich von den drei danach genannten, Funmilayo Ransome-Kuti, Alexandra Kollontai und Rokeya Sakhawat Hossain, noch nie gehört.
Ich war daher sehr gespannt, worüber – und über wen – Lucy Delap schreiben würde. Aufgeteilt ist das Buch nicht in die Jahrzehnte oder Jahrhunderte, die es umfasst. Stattdessen beschäftigt Lucy Delap sich in jedem Kapitel mit einem Aspekt von Feminismus, feministischem Ausdruck und Aktivismus. Beispielsweise gibt es ein Kapitel zu Mode, also dazu wie sich Feminist*innen in der Vergangenheit durch ihre Kleidung ausdrückten und verbanden.
Zwei Sachen muss man zu dem Buch unbedingt sagen: Lucy Delap ist Wissenschaftlerin. Und das merkt man am Schreibstil. Für ein Buch, das für meine Verhältnisse nicht übermäßig dick ist, habe ich relativ lange gebraucht. Die Ausdrucksweise ist nicht unbedingt das, was ich als Alltagssprache bezeichnen würde.
Weiterhin hatte ich damit gerechnet, dass der Fokus des Buches außerhalb Europas und Nordamerikas liegt. Tatsächlich sind viele neue Namen auf mich „eingeprasselt“ und man erfährt als Leser*in von Frauen aus aller Welt. Trotdem liegt der Schwerpunkt in Europa, insbesondere Großbritannien, und Nordamerika, hier besonders die USA. In mancherlei Hinsicht ist das nachvollziehbar – Lucy Delap ist eine weiße Frau, die in Großbritannien forscht und lehrt. Dennoch war das für mich ein wenig enttäuschend.
Weiterhin hatte ich damit gerechnet, dass der Fokus des Buches außerhalb Europas und Nordamerikas liegt. Tatsächlich sind viele neue Namen auf mich „eingeprasselt“ und man erfährt als Leser*in von Frauen aus aller Welt. Trotdem liegt der Schwerpunkt in Europa, insbesondere Großbritannien, und Nordamerika, hier besonders die USA. In mancherlei Hinsicht ist das nachvollziehbar – Lucy Delap ist eine weiße Frau, die in Großbritannien forscht und lehrt. Dennoch war das für mich ein wenig enttäuschend.
Insgesamt denke ich, dass das Buch gut als Einstieg dienen kann, sich mehr mit nicht-weißen und nicht-westlichen Feminist*innen, Gedanken, Geschichten und Träumen auseinanderzusetzen. Auch bietet es mit den Kapiteln über unterschiedlichste Aspekte feministischen Denkens und Handelns Anreize, anders über feministische Geschichte nachzudenken. In dieser Hinsicht dürfte So sieht Feminismus aus für viele Leser*innen neue Informationen oder Erkenntnisse bereithalten. Aber zugleich kann ich es Menschen, die sich mehr mit intersektionalen Aspekten auseinandersetzen wollen, nicht 100%ig empfehlen.