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A review by premium_huhn
Der Historiker by Elizabeth Kostova
adventurous
dark
mysterious
reflective
slow-paced
- Plot- or character-driven? A mix
- Strong character development? Yes
- Loveable characters? It's complicated
5.0
Ein Mädchen findet in der Bibliothek ihres Vaters ein geheimnisvolles Bündel mit einem sehr alten Buch und einigen vergilbten Briefen, adressiert an "meinen lieben und bedauernswerten Nachfolger". Die Sache lässt sie nicht los und so wird sie hineingezogen in eine generationenübergreifende und viele Länder umspannende Recherche, die Suche nach einem vermissten Mentor, einem unsteten Vater, einer verschwundenen Mutter. Letztlich die Jagd nach einem Phantom - dem sagenumwobenen Drakula. Viele Jahre später erst findet die jetzt erwachsene Frau die Kraft, alle Dokumente, Nachweise, Spuren und Schnipsel dieser Jagd zusammenzutragen, um von den Erlebnissen zu berichten, die nicht nur ihr Leben unwiderruflich verändern sollten.
Diesen Roman habe ich, als er 2005 auf Deutsch erschien, geschenkt bekommen. Ich erinnere mich daran, dass ich ihn zumindest anfing zu lesen ... und das Buch für sehr eigen befand. Da ich mich nur an wenige Szenen ganz zu Beginn des Buches erinnern kann, gehe ich mittlerweile davon aus, dass ich die Geschichte damals nicht zuende gelesen habe, obwohl ich jahrelang dachte, dass ich das getan hätte. Zeitsprung: Im März 2024 habe ich anlässlich der Leipziger Buchmesse einen Vortrag über Vampire und Bücher in der Bibliotheca Albertina gehört, in dem auf Kostovas Roman kurz Bezug genommen wurde. Da fiel mir ein, dass er seit 2005 auch auf meinem Regal steht, wo ich ihn unter einer dicken Staubschicht hervorklaubte, um ihm eine neuerliche Chance zu geben.
Wie gut, dass ich das getan habe, denn "Der Historiker" war mein Roman des Jahres 2024. So viele Aspekte haben mir gut gefallen.
Zuallererst mag ich natürlich Vampirgeschichten, mochte ich schon immer, und in diese Kerbe schlägt selbstverständlich auch ein Buch über Drakula in Historie und Legende. Der Roman macht dabei einen gut recherchierten Eindruck, ohne dass mir Fakten um der Fakten willen um die Ohren gehauen worden wären; alle uns gegebenen Informationen dienen einem Zweck in der Handlung.
Das Buch erzählt seine Geschichte in vielen Erzählebenen und -perspektiven , die unter anderem in wiedergegebenen Erinnerungen, mündlichen Berichten, Briefen und historischen Quellenausschnitten präsentiert werden. Durch diese Vielzahl an "Informationsquellen" habe auch ich als Leserin das Gefühl gehabt, immer tiefer in die Materie einzusteigen, immer neue, faszinierende und schockierende Entdeckungen zu machen und dem Ursprung der Sache immer weiter auf den Grund zu gehen. Im Gegensatz zu Stokers Drakula, den ich ehrlich gesagt stellenweise etwas langatmig finde, ist "Der Historiker" durchgehend spannend. Gerade weil die Enthüllungen immer wieder unterbrochen werden durch Abschweifungen, Zeitsprünge, Rahmenhandlungen, die jeweils in sich spannend sind, wird die Erzählung nie langweilig.
Ein besonderes Talent hat die Autorin für die Schilderung von Szenerien. Man könnte negativ anmerken, dass sie gelegentlich ins Exotisierende abschweift, aber letztlich gelingt es ihr vorzüglich, die vielen Eindrücke, die die Figuren auf ihren zahlreichen Reisen sammeln, eindrücklich wiederzugeben. Die Architektur, die Natur, die Eigenheiten der Menschen, lokale Speisen, Kleidung, die Art, zu reisen, Musik, Geräusche, Bräuche ... die Autorin hat einen Blick fürs große Ganze wie fürs Detail und baut so atemberaubende Kulissen für ihre Handlung.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich dieses Buch, gerade auch wegen der wundervollen historischen Szenensettings und des episodenhaften Erzählstils wirklich toll für eine Umsetzung als budgetreiche Fernsehserie eignen würde.
Ich bin mir ganz sicher, dass ich Kostovas Roman nicht zum letzten Mal gelesen habe. Er ist definitiv nicht zum schnellen Durchstöbern geeignet. Er möchte genossen, vielleicht sogar zelebriert werden. Beste Lektüre für lange, dunkle Winterabende.
Diesen Roman habe ich, als er 2005 auf Deutsch erschien, geschenkt bekommen. Ich erinnere mich daran, dass ich ihn zumindest anfing zu lesen ... und das Buch für sehr eigen befand. Da ich mich nur an wenige Szenen ganz zu Beginn des Buches erinnern kann, gehe ich mittlerweile davon aus, dass ich die Geschichte damals nicht zuende gelesen habe, obwohl ich jahrelang dachte, dass ich das getan hätte. Zeitsprung: Im März 2024 habe ich anlässlich der Leipziger Buchmesse einen Vortrag über Vampire und Bücher in der Bibliotheca Albertina gehört, in dem auf Kostovas Roman kurz Bezug genommen wurde. Da fiel mir ein, dass er seit 2005 auch auf meinem Regal steht, wo ich ihn unter einer dicken Staubschicht hervorklaubte, um ihm eine neuerliche Chance zu geben.
Wie gut, dass ich das getan habe, denn "Der Historiker" war mein Roman des Jahres 2024. So viele Aspekte haben mir gut gefallen.
Zuallererst mag ich natürlich Vampirgeschichten, mochte ich schon immer, und in diese Kerbe schlägt selbstverständlich auch ein Buch über Drakula in Historie und Legende. Der Roman macht dabei einen gut recherchierten Eindruck, ohne dass mir Fakten um der Fakten willen um die Ohren gehauen worden wären; alle uns gegebenen Informationen dienen einem Zweck in der Handlung.
Das Buch erzählt seine Geschichte in vielen Erzählebenen und -perspektiven , die unter anderem in wiedergegebenen Erinnerungen, mündlichen Berichten, Briefen und historischen Quellenausschnitten präsentiert werden. Durch diese Vielzahl an "Informationsquellen" habe auch ich als Leserin das Gefühl gehabt, immer tiefer in die Materie einzusteigen, immer neue, faszinierende und schockierende Entdeckungen zu machen und dem Ursprung der Sache immer weiter auf den Grund zu gehen. Im Gegensatz zu Stokers Drakula, den ich ehrlich gesagt stellenweise etwas langatmig finde, ist "Der Historiker" durchgehend spannend. Gerade weil die Enthüllungen immer wieder unterbrochen werden durch Abschweifungen, Zeitsprünge, Rahmenhandlungen, die jeweils in sich spannend sind, wird die Erzählung nie langweilig.
Ein besonderes Talent hat die Autorin für die Schilderung von Szenerien. Man könnte negativ anmerken, dass sie gelegentlich ins Exotisierende abschweift, aber letztlich gelingt es ihr vorzüglich, die vielen Eindrücke, die die Figuren auf ihren zahlreichen Reisen sammeln, eindrücklich wiederzugeben. Die Architektur, die Natur, die Eigenheiten der Menschen, lokale Speisen, Kleidung, die Art, zu reisen, Musik, Geräusche, Bräuche ... die Autorin hat einen Blick fürs große Ganze wie fürs Detail und baut so atemberaubende Kulissen für ihre Handlung.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich dieses Buch, gerade auch wegen der wundervollen historischen Szenensettings und des episodenhaften Erzählstils wirklich toll für eine Umsetzung als budgetreiche Fernsehserie eignen würde.
Ich bin mir ganz sicher, dass ich Kostovas Roman nicht zum letzten Mal gelesen habe. Er ist definitiv nicht zum schnellen Durchstöbern geeignet. Er möchte genossen, vielleicht sogar zelebriert werden. Beste Lektüre für lange, dunkle Winterabende.