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alexmatzkeit 's review for:
Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen
by Francesca Cavallo, Elena Favilli
Die Idee ist toll. Die Illustrationen sind wunderschön. Aber die Gutenachtgeschichtifizierung von Biografien hinterlässt ihre Spuren. Bei einigen Frauen, mit deren Leben und Wirken ich mich vertraut fühlte, hatte ich öfter das Gefühl, dass die Geschichten merkwürdige Schwerpunkte legten. Beispiel Margaret Thatcher: "Als sie den Krieg gegen Argentinien um die Falklandinslen gewann, bewunderten viele sie für ihre Stärke und Entschlusskraft." Äh ja, und genausoviele waren der Meinung, dass sie einen sinnlosen Krieg ausgefochten hatte, ganz zu schweigen davon, dass sie anschließend den Sozialstaat eines ganzen Landes in Schutt und Asche legte. Ich weiß auch nicht, wie schön Virginia Woolf es finden würde, dass sie hauptsächlich auf ihre Depression reduziert wird. Wenn das schon bei den Frauen der Fall ist, die mir bekannt waren, frage ich mich: Welche Lücken/Umdeutungen existieren dann bei denen, die ich nicht kenne? Ist Yaa Asentewa wirklich für ihre "Tapferkeit" zu bewundern, die der Geschichte nach hauptsächlich darin bestand, einen aussichtslosen Kampf zu kämpfen, bei dem tausende Menschen starben? Warum wird Ruth Haarkness als "Tierschützerin" bezeichnet, wenn ihr Lebenswerk anscheinend darin bestand, einen Panda aus der Wildnis zu kidnappen? Auf die Gefahr, Menschenleben auf sehr simple Heldinnengeschichten zu reduzieren, wird im Buch nirgends hingewiesen. Als Inspiration für Mädchen taugt das Buch bestimmt trotzdem - aber mit meiner Tochter würde ich auf jeden Fall im Anschluss über die Geschichten sprechen und sie dazu anregen, mehr über die Personen herauszufinden. (Meine Frau und ich haben das Buch einander während der Schwangerschaft vorgelesen.)