A review by veilchen
The Great Godden, by Meg Rosoff

4.0

4.5

Ein wunderbares Sommerbuch, dass sich auch noch im Herbst genießen lässt. Eine 6-köpfige Familie verbringt jeden Sommer gemeinsam mit Cousine und Freund in einem kleinen Strandort. Doch diesen Sommer kommt alles anders. Die Cousine Hope und Mal wagen den nächsten Schritt in ihrer Beziehung. Unddie beiden Söhne von Hopes Patentante kommen auf Besuch - der fehlerlose "golden boy" Kit, in den sich alle auf einen Schlag verlieben und sein Bruder, der ihm nicht weniger ähneln könnte, Hugo. Und im Zentrum der Erzählung steht ein erzählendes Familienmitglied, dessen Geschoecht, Alter und Name nie spezifisiert wird.

In einem wunderbar leichtem Erzählstil, der an alte Amerikanische Klassiker erinnert, leitet der/die Erzählende die Leser durch das sommerliche Leben der Großfamilie. Mit viel Charme lernt man die Geschwister kennen, die pferdeliebende Tam, den Bruder Alex, der nur Fledermäuse im Kopf hat, und die hübsche Schwester Mattie, die wiederrum nur an Jungs denkt. Doch die Anfangs idyllische Erzählung wird immer mehr durch die beiden neuen Jungs durcheinandergebracht, allen voran Kit, dessen einnehmende Aura sich immer mehr als Manipulation und Gaslighting entpuppt.

Die Anfangs frustrierende Ambiguität des/der Erzählenden war im Endeffekt einer der besten Teile des Buches. Ob beabsichtigt oder nicht, ich fand mich immer wieder versucht, die Person in eine klare Kategorie wie "weiblich" oder "männlich" zu stecken, basierend auf nichts als Vorurteilen und persönlichen Erfahrungen. Schon diese Erfahrung allein macht es Wert, dieses Buch zu lesen, vor allem für Eigenreflexion. Aber auch sonst ist dieser kurze Roman ein tolles Buch, dass man im Nichts fertig hat. Es geht mit wichtigen Themen um, ohne diese akkut zu benennen, so dass auch viel Platz für eigene Interpretationen und Denkanstöße bleibt.