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jane3366 's review for:

1984 by Fido Nesti, George Orwell
3.75
dark emotional mysterious reflective sad tense medium-paced
Plot or Character Driven: Plot
Strong character development: Yes
Loveable characters: Complicated
Diverse cast of characters: No
Flaws of characters a main focus: Complicated

Ich habe gemischte Gedanken über diesen Roman. Natürlich ist er ein wichtiges Stück Lektüre und momentan auch wieder extremst aktuell. Und ja, jeder sollte diesen Roman wirklich zumindest einmal im Leben gelesen haben, aber trotzdem fand ich ihn beim Lesen an manchen Stellen nervig.

Wir befinden uns im ehemaligen Großbritannien, jetzt Ozeanien,
und befinden uns abwechselnd mit Eurasien und Ostasien im Krieg. Eigentlich ist es egal gegen wen Krieg geführt wird, da dieser genutzt wird um die eigene Bevölkerung zu kontrollieren und am Existenzminimum zu halten. Die Partei ist eine diktatorische Herrschaft und Der Große Bruder ist der "Führer". Den Parteimitgliedern wird alles vorgeschrieben und sie werden durchgehend überwacht. Die geringste Gesellschaftsschicht, also die Proles, dürfen mehr machen, aber haben auch weniger. Die Geschichte wird immer so umgeschrieben, dass die Partei recht hat, und eine Sprache wird erfunden, so dass man mit dieser keine Kritik an der Partei äußern kann.

Winston Smith ist eindeutig ein politischer Gegner der Partei, welcher Stück für Stück eine immer deutlichere und extremere Meinung gegenüber der Partei hat. Zumindest anfangs denkt er aber auch extrem negativ über all seine Mitmenschen und stempelt fast alle als dumm ab. Dies wird mehrfach wiederholt beschrieben und wird langweilig
. Vielleicht verstehe ich den Sinn dahinter nicht, aber auf mich wirkte es nur komisch und lässt ihn fast einfach nur wie ein "Hater" wirken. Dieser Eindruck fällt recht zügig wieder, da er sich weiter entwickelt und sich die Handlung
mit der Beziehung zu Julia
sehr ändert. Etwas was lange bleibt ist, dass Winston extrem abgestumpft gegenüber Grausamkeit und Gewalt ist. Dies wird auch mit dem Schreibstil sehr betont, da grausame Handlungen steril und emotionslos geschildert werden.
Julia ist extremst negativ der Partei gegenüber eingestellt, aber nur wenn es sie direkt betrifft. Dies lässt sie oberflächlich wirken und anfangs ist sie nicht an Veränderung interessiert. Man gewinnt den Eindruck, dass sie nur Veränderung bewirken will, weil Winston dies will. Bis zum Schluss wirkt sie nicht überzeugt davon für Veränderung zu sorgen.
Julia und Winston sind der Meinung einer Rebellion beizutreten, aber in Wirklichkeit ist all dies nur eine Intrige der Partei und mindestens Winston wird bereits seit Jahren genauestens überwacht. Bei der "Verhaftung" wird klar, dass man in dieser Welt absolut niemandem trauen kann, was später mit dem offen Legen der Intrige unterstreicht wird. Julia und Winston werden getrennt und ab jetzt folgen wir nur noch Winston, da wir immer nur erfahren, was er erfährt. Nun erleben wir mit wie Winston immer weiter und immer extremer gefoltert wird. Wir erleben wie er erst nur vortäuscht, als hätten sie es geschafft sein Willen komplett zu brechen; dann erleben wir wie sie seinen Willen und Ihn als Person wirklich brechen und er deren Ideologie übernimmt.
All dies wird in grauenhaften Details berichtet, es ist unmöglich dabei nicht mitzufühlen. Die Leser erfahren und fühlen wie grauenhaft
solch eine Diktatur ist.
Schließlich wartet Winston als "freie Person" nur noch auf seinen Tod; ob und wann dieser kommt bleibt offen. Auch bleibt offen, ob der Krieg zu einem Wendepunkt gekommen ist.

Es gibt Sachen im Roman, welche heutzutage kritisch zu sehen wären, aber für die Zeit in der dieser geschrieben wurde Sinn machen. Ein paar Abschnitte sind scheinbar grundlos sehr wiederholend und können die Leser langweilen.
Der Schreibstil ist oft sehr emotionslos und teilweise fast sachlich, was die Handlungen sehr viel verstörender wirken lässt. Dies macht auch die Gesellschaftskritik, welche mit dieser Literatur geäußert wird, deutlicher und lässt sie wesentlich dringender und wichtiger wirken.

Insgesamt ist dies also ein sehr wichtiges Buch mit einer extremst wichtigen Aussage dahinter. Im Großteil hat es mir auch gut gefallen, aber besonders im ersten Teil gab es einfach Sachen, welche ich eher langweilig und fast sinnlos fand. Trotzdem sollte jeder dieses Buch zumindest einmal gelesen haben, besonders weil die politische Situation es leider wieder extrem aktuell gemacht hat.

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