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ordinarilybi 's review for:

This Is What Happy Looks Like by Jennifer E. Smith
4.0

Alles fing mit einer kleinen E-Mail an, in der Graham einen Freund bittet, mit seinem Haustier Wilbur Gassi zu gehen – schnell stellt sich heraus, dass zum einen Wilbur kein Hund, sondern ein Schwein ist, und zum anderen dass Graham die Mail keineswegs an seinen Freund, sondern – einem Tippfehler sei Dank – an Ellie O’Neill geschickt hat, die so gar nicht in seiner Nähe wohnt. Das heißt natürlich nicht, dass damit der Kontakt sofort vorüber ist; die beiden schreiben sich weiterhin Mails und tauschen sich über jedes erdenkliche Thema aus – da ist es wenig verwunderlich, dass sie einander gerne mal sehen würden. Doch Graham ist ein bekannter Filmstar und Ellie muss um jeden Preis unauffällig und vor allem unerkannt bleiben – da ist Graham eigentlich der Letzte, auf den sie sich einlassen sollte. Da sie aber in einem ziemlichen Kaff wohnt, das von Grahams Filmteam – ganz zufällig, klar – zum perfekten Drehort auserkoren wurde, wird sie ihm nicht so einfach aus dem Weg gehen können …


Es ist zwar schon eine ganze Weile her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich weiß noch sehr deutlich, warum ich es euch empfehlen würde: Wilbur. Okay, nein, Scherz beiseite. Wilbur kommt leider nur sehr selten vor und auf hammerharte Schweinchenaction hofft ihr hier leider vergeblich. Empfehlen würd ich das Buch trotzdem, einfach weil’s was wirklich Nettes für zwischendurch ist, gerade im Sommer und vor allem dann, wenn ihr keine tiefgreifende, euer Bewusstsein sprengende Literatur erwartet. (Klingt ohnehin ziemlich schmerzhaft.)

Es ist natürlich nicht alles perfekt, sonst hätte ich euch wohl schon längst Ausgaben davon ins Gesicht geschleudert, damit ihr es auch ja lest. (Klingt auch schmerzhaft …) Zum einen ist es nun mal ein seichtes Sommerbuch. Nicht zwangsläufig von den Themen her, vom Gefühl aber sehr wohl und ich hab mich nie dazu bewegt gefühlt, mein Leben zu überdenken – was an sich nichts Negatives ist, aber ihr seit hiermit gewarnt.
Viel problematischer fand ich da Graham manchmal, aber vielleicht war ich beim Lesen noch etwas empfindlich, weil ich mir direkt davor „Beautiful Disaster“ angetan hatte und die Wunden davon waren noch nicht einmal ansatzweise verheilt. Fakt ist aber: Graham verlegt nur wegen Ellie die Dreharbeiten zu ihr und sagt’s ihr nicht mal … das ist schon ein wenig gruselig, zumal er durchaus Stalkertendenzen vorzuweisen hat. Ein „she’s all yours“ konnte er sich im Zusammenhang mit einem Mädchen zu einem anderen Typen auch nicht verkneifen, und wiE OFT SOLL ICH ES NOCH SAGEN: NIEMAND BESITZT MÄDCHEN ODER FRAUEN ODER IRGENDWEN. MENSCHEN GEHÖREN N I E M A N D E M.
Zum Glück hielt sich Blödsinn dieser Art in Grenzen, mal abgesehen davon, dass Graham an einer Stelle ganz dezent ausrastet und jemanden vermöbelt – im Gegensatz zu einer anderen, vollkommen untalentierten Autorin romantisiert Jennifer E. Smith das aber nicht, sondern zeigt, wie’s wirklich ist: So verständlich der Ausraster auch ist (und das ist er hier), Gewalt macht’s nur schlimmer. Punkt.

Was mich zu den weiteren positiven Aspekten führt: Graham und Ellie sind einfach süß miteinander, da gibt’s nicht mehr zu sagen. Ich hab die Szenen mit beiden wirklich sehr genossen, auch wenn ich trotzdem unheimlich glücklich bin, dass die Autorin auch stark die Familien fokussiert. Eltern haben sie nämlich beide, allerdings besteht bei Graham nur noch selten Kontakt. Er ist kaum zu Hause und wenn doch, wissen seine Eltern nicht mehr so richtig, was sie zu ihm sagen sollen. Ellie dagegen kommt super mit ihrer Mutter klar, nur ihren Vater kennt sie nicht. Da gibt’s bei beiden viel zu entdecken und auch daran zu arbeiten – wenn ich ehrlich bin, sind mit solche Plots tausendmal lieber als irgendwelche epischen Liebesgeschichten und insofern ist „This Is What Happy Looks Like“ perfekt für mich gewesen. Es gibt eine glaubhafte, liebenswürdige Romanze und einfach noch mehr – ein realistisches Mehr mit Familien und Charakteren, die alles andere als perfekt sind und zeigen, dass das vollkommen okay ist. Was will ich mehr? Richtig, in dem Fall nichts.

Die Moral von der Geschichte? Manchmal kriegen wir einen vollkommen falschen Eindruck von einer Situation oder Menschen, einfach weil wir nicht miteinander reden. Also sprecht eure Probleme an und lasst euch von mir sagen, dass ihr dieses Buch schon mal auf eure Wunschliste packen solltet – liest sich bestimmt auch im Frühling super, ich hatte zumindest im Herbst keine Probleme damit.


Eine glaubhafte, kleine Romanze mit einem manchmal etwas zweifelhaften männlichen Part und einem angenehmen Fokus auf die Familienprobleme der beiden – mit so einer Konstellation kann ich gut leben, auch wenn das Buch dadurch nicht gerade zu einem meiner Dauerlieblinge wird. War trotzdem schön für zwischendurch und lässt sich als literarischer Snack ohne klischeehaften Kitsch gut empfehlen.