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Die Saat by Guillermo del Toro, Kathrin Bielfeldt, Chuck Hogan, Jürgen Bürger
3.0

Die Saat ist der Auftakt einer Trilogie, die Guillermo Del Toro (Schöpfer von Pans Labyrinth) zusammen mit Chuck Hogan geschrieben hat. Die alles andere als romantischen Vampire haben sich ihre 4 Sterne gar nicht verdient, sie kriegen nur 3,5.

Es geht hier wie gesagt um Vampire in ihrer Urform - böse, willenlos, blutrünstig und brutal. Das ganze gemischt mit Neuzeit, Flugzeugterrorismus und der Seuchenschutzbehörde und schon hat man alle Samen für die Saat beisammen. In New York landet ein Flugzeug, in dem Totenstille herrscht, keiner der Passagiere scheint mehr am Leben zu sein, die Flughafenmitarbeiter sind ratlos. Sofort werden Wissenschaftler beauftragt, das ganze unter die Lupe zu nehmen. Was sie Stück für Stück herausfinden will keiner wahr haben und jeder legt ihnen Steine in den Weg, dabei könnte die Verhinderung der Informationsverbreitung tödliche Folgen haben.

Die Saat hat eine unersättliche Besetzung an Charakteren. Im Vordergrund steht Forscher Eph, seine Kollegin Nora, der alte Mann Setrakian und später Rattenvertreiber Vasily. Eph und Setrakian werden durch einige Einschübe aus ihrem früheren Leben (in Ephs Fall sein Sohn Zack und die gescheiterte Ehe mit Frau Kelly - in Setrakians Fall seine Zeit im KZ als jüdischer Gefangener und die ersten Begegnungen mit Sardu) dreidimensional charakterisiert. Sie sind mir sogar sehr ans Herz gewachsen, was ich mir auch von den anderen Personen - vor allem Nora - gewünscht hätte. Nora und co. standen leider ziemlich blass da, aber vielleicht erfährt man ja in der Fortsetzung mehr über sie und ihr Leben.
Die ganzen anderen Charaktere, die entweder Nebenrollen haben oder ziemlich schnell das Zeitliche segnen, sind durch markante Eigenschaften leicht wiederzuerkennen. Allerdings gibt es meiner Meinung nach von ihnen etwa fünf zu viele. Die Charaktere hängen zwar alle zusammen und landen im Endeffekt immer in Szenen, die schon durch eine andere Figur vorgestellt worden sind, aber ich musste auch immer wieder mit anhören, wie die Menschen zum ersten Mal die Vampire entdecken, wie sie die Angst packt und sie nicht wissen, was sie machen sollen. Diese Gefühlsregung war bei fast allen gleich und daher langweilig anzuhören.

Viel spannender fand ich dagegen die Erlebnisse aus Sertrakians Vergangenheit: die Geschichten seiner Großmutter, wie es ihm im KZ ergangen ist und vor allem seine erste Begegnung mit dem Meistervampir Sardu. Diese Begegnungsszenen sind atmosphärisch fantastisch gelungen und ich habe mich wirklich sehr vor Sardu gegruselt.

Die Idee des Vampirorganismus' und wie er sich verbreitet und wirkt, haben Del Toro und Hogan sich gut ausgedacht. Sie bauen auf alten Legenden auf und fügen ihre eigene Note hinzu. Vor den Blutwürmern habe ich mich allerdings tierisch geekelt und auch ein paar Mal schlecht geträumt - nichts für schwache Gemüter. Genauso wenig wie die Vampirszenen - diese Vampire sind alles andere als Edward Cullen Kavaliere, sie sind wild und wollen dein Blut, egal ob du ihre Mutter oder ihr Haustier bist.
Das ganze Vampirgeschehen aus einer modernen Forschersicht zu betrachten, fand ich sehr interessant und würde es als literarisch bisher unerforschtes Gebiet bezeichnen.

Stilistisch merkt man sehr, dass Del Toro seine Finger im Spiel hat. Vor jeder Szene gibt es eine Ortsangabe, die an Drehbücher erinnert. Die Szenen an sich werden stets so beschrieben, dass man sie sich auch locker als Film vorstellen kann, man merkt also definitiv, dass Del Toro aus diesem Gebiet stammt und ich wette, er wird es sich nicht nehmen lassen die Verfilmung dieses Buchs selbst in die Hand zu nehmen. Einen Vorgeschmack gibt es auf der Website von Die Saat, auf der man verstörende Fotos und düstere Minivideos von Buchszenen angucken kann.

Alles in allem ein tolles Buch für Fans von blutrünstigen Vampiren. Packendes Horror-Kopfkino, das an einigen Stellen etwas Kürzung vertragen hätte, aber da kommt man schnell drüber hinweg.