premium_huhn's reviews
257 reviews

Shadowrun Shadows Down Under by Jean Rabe

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adventurous dark funny medium-paced
  • Plot- or character-driven? A mix
  • Strong character development? Yes
  • Loveable characters? Yes
  • Diverse cast of characters? Yes
  • Flaws of characters a main focus? Yes

3.0

Ein Serienkiller geht um im Stadtteil Kings Cross, Sidney. Abgesehen hat er es offenbar auf Darsteller*innen der dortigen Varietés. Ein Clubbetreiber heuert die abgehalferte Privatdetektivin Ninn an, den Killer ausfindig zu machen, ehe sein Geschäft ganz den Bach runtergeht. Der Schamane Barega, der Bruder einer der ermordeten Personen, schließt sich ihr an. Handelt es sich um einfache Hassmorde eines intoleranten RighteousRight-Mitglieds oder steckt mehr hinter den Geschehnissen?

Das Buch habe ich vor Jahren mal gewonnen und nun bin ich endlich dazu gekommen, es auch zu lesen. Ich stelle immer wieder fest, dass ich ein Herz für Shadowrun habe. Der Hintergrund macht Spaß (für die Regeln des Rollenspiels hingegen war ich immer zu ungeduldig). 

Australien ist mal ein ungewohntes Setting für SR. Ich habe eine Weile gebraucht, um damit so richtig warm zu werden. Gerade am Anfang war die Mischung aus Hintergrundbegriffen, die mir nicht mehr ganz geläufig waren, australischem Slang und Police-Procedure-Talk etwas schwer verdaulich, aber man fuchst sich schnell ein.

Danach belohnt die Geschichte mit einer spannenden Handlung und vor allem einem zunehmend interessanten Hauptcharakter. Die Drogen- und Technikabhängigkeit Ninns ist kein bei netter Gelegenheit erwähnter Charakterzug, sondern etwas, das sie ernsthaft ablenkt und regelmäßig in ihrer Arbeit behindert. Neben der Aufklärung des Mordfalls bleibt es spannend zu sehen, ob es ihr gelingen wird, ihr Leben wieder in gesündere Bahnen zu lenken.

Mir haben besonders die Gespräche mit ihrer eigenwilligen und naturgemäß schießwütigen KI-gesteuerten Waffe gefallen. Mordred macht Laune. :D

Solider Roman, der auch mit sehr angestaubten Hintergrundkenntnissen gut lesbar war.
An Unexpected Apprentice by Jody Lynn Nye

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adventurous medium-paced
  • Plot- or character-driven? Plot
  • Strong character development? It's complicated
  • Loveable characters? It's complicated
  • Diverse cast of characters? It's complicated
  • Flaws of characters a main focus? Yes

2.0

Tildi Summerbee vom kleinen Volk verliert in einem Angriff der schrecklichen Thraik ihre gesamte Familie. Die Tradition gebietet, dass sie als Frau den elterlichen Hof nicht alleine weiterführen kann. Bevor der Rat sie an den nächstbesten Taugenichts verheiraten kann, ergreift Tildi, verkleidet als ihr verstorbener Bruder Teldo, die Flucht, um Teldos Stelle Lehrling beim großen Magier Olen anzutreten. Auf Tildi, die nie zuvor allein außerhalb ihrer friedlichen Heimat unterwegs gewesen ist, warten sehr viel mehr Abenteuer, als sie sich jemals hätte erträumen können.

Ich könnte mir definitiv vorstellen, der Autorin mit einem ihrer anderen Werke nochmal eine Chance zu geben. Aber dieses Buch war nichts für mich.

[Achtung, Spoiler ahead]

Ich hätte mir anhand des Klappentextes einen Fokus auf Tildis Verkleidung als ihr Bruder Teldo vorgestellt sowie auf ihre Ausbildung beim Magier Olen. Tatsächlich ist das aber fast schon nebensächlich. Tildis Verkleidung fliegt quasi sofort auf und spielt dann keine Rolle mehr (dazu gleich mehr). Die Ausbildung dauert wenige Wochen, bevor Tildi als Außerwählte den Ring nach Mordor bringen … ähm ich meine natürlich das gefährliche magische Buch finden muss.
 
Ein großer Teil der Handlung behandelt diese Reise – und meine Güte, war die langweilig. Ich hab mich durch die letzten 50 Seiten richtig durchquälen müssen. Wir alle wissen, dass sie am Ende am Ziel ankommen werden, und es liest sich wie eine Seitenvorgabe vom Verlag, dass erst noch 100 Seiten „Und dann kommen sie dorthin und dann kommen sie dahin und dann passiert ihnen das“ folgen, ehe wir endlich die Szene lesen dürfen, auf die wir eigentlich Bock hatten.

Und meine Güte, ist der Antagonist dämlich. Er hat ein mächtiges magisches Artefakt, mit dem er Leute aus der Ferne gezielt umbringen könnte. Das tut er auch. Aber ausgerechnet die Gruppe, die ihm dicht auf den Fersen ist … die will er nicht direkt umbringen und bewirft sie stattdessen mit albernen Hindernissen. Selbst wenn man ihm ein Gewissen zugestehen möchte, dass ihn daran hindert, die Leute umzunieten (nicht, dass ihn die zahllosen Menschen, die er in einem Vulkanausbruch killt, irgendwie gejuckt hätten, aber naja). Selbst dann verhält er sich grenzenlos dämlich. Er hat die Macht, die Welt um sich herum zu verändern. Dude, dann schaff halt ne unüberwindbare Mauer, undurchdringliche Labyrinthe, Falten in Zeit und Raum … whatever. Warum schafft die Autorin so ein spaßiges und übermächtiges Magiesystem, nur damit am Ende die Hauptfigur und der Antagonist wie Grundschulkinder um ein Buch rangeln, statt großartige Magie zu wirken? (Ja, die zerren an dem Buch herum. Wtf.)

Tildi als Hauptfigur mochte ich nicht. Das Buch hat so einen feministischen Anstrich, der aber für mich nicht funktioniert hat und Tildis Entwicklung und der Umgang mit ihr ist Teil des Problems. Tildi stammt aus einer Gesellschaft, in der Frauen ganz offen weniger wert sind als Männer und nicht für sich selbst handeln und sprechen dürfen. Daher auch ihre Verkleidung zu Beginn der Erzählung – Tildi ist der Überzeugung, dass sie als Frau nicht die Möglichkeit hat, Lehrling eines Magiers zu werden. Ich hätte es spannend gefunden, zu lesen, wie sie diese ihr anerzogenen Vorurteile durch eigene Erfahrungen ablegt und durch ein auf Grundlage ihrer Entscheidungen und Fähigkeiten neu gewonnenes Selbstbewusstsein ersetzt. Und eben auch, wie sie die Gefahren meistert, die ihr als Halblingin, Frau und als Person ohne Schutz durch Familie oder Freund\*innen drohen.

Stattdessen wird ihre Verkleidung sofort durchschaut, aber alle unterwegs finden sie niedlich und sorgen für ihren Schutz, ohne ihr das mitzuteilen. Tildi selbst muss auf ihrer Reise zu Olen nichts leisten (etwas, das sich durchzieht durch das Buch). Bei Olen angekommen, enttarnt der Meister Tildi sofort, indem er ihr sagt, dass sie kein Junge sei und die Verkleidung ablegen kann. Das ist auf so vielen Ebenen räudig. Da will die Handlung mir vermitteln, dass Frauen selbstbestimmt leben können und dann wird der Hauptfigur von einem Mann erklärt, wie sie sich zu zeigen und ihr Leben zu leben hat. Enttarnende Runenmagie hin oder her, einfach nein. Es wäre so viel spannender zu lesen gewesen, dass der Meister sie zwar Kraft seiner Magie durchschaut, aber ihre Entscheidung, sich als Junge auszugeben akzeptiert und ihr selbst überlässt, ob, wann und wie sie ihr Geheimnis lüften möchte. Das geht ihn schließlich nichts an. Eine verpasste Gelegenheit, Tildi selbst lernen zu lassen, dass sie selbstverständlich auch als Frau ihrer Stellung beim Magier würdig ist.

Auch sonst trifft Tildi keine Entscheidungen nach ihrer Abreise aus ihrer Heimat wirklich selbst. Klar, pro forma wird sie andauernd gefragt, ob sie sich wirklich dieser oder jener Gefahr aussetzen will. Aber es gibt keinen Plan B. Tildi macht, was nur sie machen kann oder Weltuntergang.

Tildis Reisebegleiterinnen sind wahlweise dämlich oder nervig, was Teil dessen ist, wieso ich die Reisebeschreibung so unleserlich fand. Die große Magierin, der fast am Ende plötzlich einfällt, dass sie ja gar nicht bedacht hatten, dass der Antagonist die unfassbaren magischen Kräfte des Buches auch nutzen könnte, wow. Deren Tochter, die eine bitchige Biatch ist und der das alle zugestehen, weil sie ja so troubled ist. Eine Zentaurin, die Tildi nicht für voll nimmt. Eine Zwergin, die Tildi wie ein Kind bemuttert. Eine Soldatin, die ihren ehemaligen Geliebten dabeihat, den sie nicht mehr lieben kann, weil er jetzt hässlich ist (wow). Ein hässlicher Soldat, der nicht kochen kann und ständig in Panik gerät.

Die interessanteste Figur in diesem „feministischen“ Roman ist der Barde/Prinz Magpie – der Einzige im Buch, der vor wirklich schwierigen Entscheidungen steht, die echte Konsequenzen nach sich ziehen. Aber keine Sorge – damit der nicht zu cool rüberkommt, kriecht er andauernd vor so einer Prinzessin zu Kreuze, deren Motivation zwar grundsätzlich nachvollziehbar, aber so wahnsinnig mies ausgearbeitet ist, dass sie vor allem wankelmütig wirkt.

Ich würde hier nicht so rumranten, wenn das Buch einfach nur schlecht gewesen wäre, aber das war es nicht. Die erste Hälfte mochte ich sogar von einigen Schnitzern abgesehen ganz gern. Aber sobald Tildi in der zweiten Hälfte des Buches auf ihre große Reise geht, mutiert das Buch weg von seinem eigentlich brauchbaren Worldbuilding und seinem interessanten Sprach/Runenmagiesystem zu einem ollen Herr-der-Ringe-Abklatsch. So ein verschenktes Potenzial! Meh!
Spuk in Hill House by Shirley Jackson

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dark mysterious tense medium-paced
  • Plot- or character-driven? Character
  • Strong character development? Yes
  • Loveable characters? It's complicated
  • Diverse cast of characters? No
  • Flaws of characters a main focus? Yes

3.0

Die zurückhaltende Eleanor ist eine von vier Personen, die von Professor Montague zu einem wissenschaftlichen Aufenthalt auf Hill House eingeladen wurde. Der Professor möchte besondere Phänomene untersuchen, die im Haus angeblich stattfinden, und hat sich dafür eine Gruppe von Menschen mit sensibler Ader für das Übernatürliche zusammengesucht. Schon bei der Ankunft ist klar, dass dieser Aufenthalt mehr als nur halten wird, was er verspricht. Das Haus selbst scheint von böser Natur zu sein und eigene Pläne mit seinen neuen Bewohnern zu haben.

Ich habe die Netflixverfilmung gesehen und danach wollte ich unbedingt auch die Buchvorlage lesen. Ziemlich schnell war klar, dass die Verfilmung zwar sehr viele Ideen aus der Vorlage aufgreift, darüber hinaus aber eine völlig andere Geschichte erzählt. Das Buch hat mir dennoch gut gefallen.

Wirklich stimmungsvoll sind die Beschreibungen des Hauses. Beim Lesen hatte ich regelrechte Kamerafahrten vor Augen, wenn abseits der Blicke der Protagonist:innen beschrieben wird, wie Türen sich wie von Geisterhand schließen, unnatürliche Winde wehen und Statuen mit leerem Blick in die Zimmer schauen. Der Aufbau des Hauses ist verwirrend, die Einrichtung der Zimmer unheimlich.

Die Gäste haben je ihre eigenen Geheimnisse und Beweggründe und sind von Beginn an offenkundig an keinem ehrlichen Austausch miteinander interessiert. Eleanor ist eine unzuverlässige Erzählerin, deren Bericht immer psychedelischer und unzusammenhängender wird, je mehr ihr der Aufenthalt im Spukhaus zusetzt – das war sehr spannend zu lesen. Darüber hinaus ist leider ziemlich mit sich selbst beschäftigt, was ich eher nervig fand.

Am coolsten fand ich Luke, den Erben der Immobilie. Der ist auf den ersten Blick so ein herrlicher Kotzbrocken, dabei aber am Ende doch gar nicht so verkehrt.

Auf jeden Fall ganz lesenswerte Spukhauslektüre.
Die unendliche Bibliothek by Alberto Manguel, Jorge Luis Borges

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challenging inspiring reflective slow-paced
  • Plot- or character-driven? N/A
  • Strong character development? N/A
  • Loveable characters? N/A
  • Diverse cast of characters? N/A
  • Flaws of characters a main focus? N/A

4.0

Der Name Jorge Luis Borges lief mir in der Vergangenheit immer mal wieder über den Weg. Seine Bibliothek von Babel etwa als Vorbild für die Bibliothek in Umberto Ecos „Der Name der Rose“ und Edward Gorey, über den ich zuletzt das unterhaltsame Buch von Moers las, nennt Borges als eines seiner vielen literarischen Vorbilder – um nur zwei Beispiele zu nennen. Zudem gilt Borges als einer der Begründer des magischen Realismus, mit dem ich mich noch nicht weiter befasst hatte bislang. Als erklärte Phantastik-Leserin hatte ich das Gefühl, hier eine echte Bildungslücke zu haben.
Also habe ich mir für den Einstieg diesen Sammelband in deutscher Übersetzung mit Kurzgeschichten, Essays und Gedichten von Borges organisiert, zusammengestellt von seinem langjährigen Vorleser, Alberto Manguel. Die Texte sind chronologisch gemäß ihrem ursprünglichen Erscheinungsdatum sortiert.
Wie es bei solchen Sammlungen oft ist: Einige Geschichten haben mir ganz hervorragend gefallen, andere mochte ich nicht. Einige habe ich auch einfach nicht verstanden, muss ich ehrlich zugeben.
Am besten gefallen haben mir, wenig überraschend, diejenigen Geschichten, die wohl die eigentlichen Vorläufer des magischen Realismus sind. Soweit ich es überblicke, waren das vornehmlich jene, die ursprünglich in den Ficciones/Fiktionen erschienen sind. Dazu gehört natürlich die <i>Bibliothek von Babel</i>, deretwegen ich diese Sammlung überhaupt erst in die Hand genommen habe. Sehr unterhaltsam fand ich auch <i>Tlön, Uqbar, Orbis Tertis</i>. Eins der Highlights des Buches war für mich <i>Pierre Menard, Autor des Don Quijote</i> – ein Essay über einen fiktiven Autor, der es sich zum Ziel gemacht hat, den Don Quijote aus sich heraus wortgetreu erneut zu schöpfen. Es wird erörtert, welche Wege er zu diesem Zwecke zu nehmen versucht und wie der Erzähler die Ergebnisse dieser Bemühungen einordnet. Ich habe gut gelacht, aber gleichzeitig steckt in dem Text auch die Anregung, darüber nachzudenken, mit welcher Erwartungshaltung wir Texte lesen und interpretieren und was das für Auswirkungen auf die Lektüre hat. Abseits der Fiktionen hat mir <i>Das Aleph</i> sehr gut gefallen, eine Geschichte über einen Mann, der zufällig ein kleines Guckloch zum gesamten Kosmos in seiner Kellertreppe gefunden hat (und über einen Neider, der sich davon wenig beeindruckt zeigt).
Sehr anspruchsvoll fand ich die Lektüre der philosophischen Essays. Philosophie ist nicht gerade mein Steckenpferd und ich habe Tage gebraucht, um mich beispielsweise durch Borges Widerlegung der Zeit zu arbeiten. Es lohnt sich aber, am Ball zu bleiben. Die Sachtexte fungieren gewissermaßen als Lektüreschlüssel zu Borges fantastischen Kurzgeschichten. Verschiedene Themen trieben den Autor jahrelang immer wieder um: die Zeit, das geschriebene Wort und Labyrinthe in verschiedenen Formen. Seine theoretischen Überlegungen setzte er seinen in fantastischen Erzählungen um, die wiederum interessanter werden, wenn man weiß, welche Gedankengänge dahinterstecken.
Auf der anderen Seite entzaubern die Essays die fantastischen Geschichten auch in gewisser Weise. Bei mir hat es stellenweise den <i>sense of wonder</i> zerschossen, als ich hinter den coolen Geschichten fade philosophische Abhandlungen durchscheinen sah, zumal wie gesagt, die Themen über viele Texte hinweg immer wieder neu aufgegossen werden. Eine editorische Notiz am Buchende spricht von „thematische Konstanz“. Ich würde es eher als „thematische Redundanz“ bezeichnen.
Ein „Nebenbefund“ meiner Lektüre ist, dass überraschend viele phantastische Autoren, die was auf ihre Belesenheit geben (merke, nicht Autorinnen!) sich auf Dantes Inferno beziehen. (Zumindest war mir das von Neil Gaiman und Philipp Pullmann auch noch in Erinnerung). Allmählich hege ich den Verdacht, dass Dantes Inferno das Römische Reich des Bildungsfantasten ist. „Wie oft denken Sie an Dantes Inferno?“. :D
Nicht viel anfangen konnte ich leider mit dem argentinischen Flair einiger Geschichten. Zwar gilt Borges als sehr „europäischer“ südamerikanischer Autor, aber nichtsdestotrotz weisen seine Texte natürlich zahlreiche Bezüge auf seine Heimat auf. Bei einigen wenigen Texten hatte ich das Gefühl, dass mir Hintergrundwissen über das Land, dessen Kultur und Geschichte fehlte, um sie wirklich verstehen zu können.
Das Nachwort des Kompilators empfand ich als sehr hilfreich. Er schildert seine persönlichen Eindrücke von Borges und Situationen, die er mit ihm erlebte. Aus dem Text geht auch hervor, dass Borges in Argentinien aufgrund seiner besonderen Art, zu schreiben, Schullektüre ist. Offenbar baut er seine Sätze recht lang und „europäisch“, teils angelehnt an deutsche Satzstrukturen. Hier ist sicherlich etwas <i>lost in translation</i>, denn das fiel mir beim Lesen überhaupt nicht auf – logisch, die deutschen Sätze in der mir vorliegenden Übersetzung waren natürlich nach der deutschen Grammatik gebaut und kamen mir auch nicht übermäßig lang vor.
Alles in allem keine einfache Lektüre und ich habe mehrere Wochen für den nicht sehr langen Band gebraucht, einfach weil ich immer wieder Pausen zum Nachdenken und Verdauen brauchte. Als „Pflichtlektüre“ für alle, die sich intensiver mit der Phantastik auseinandersetzen sehr brauchbar. Wenn es ums reine Lesevergnügen geht, würde ich empfehlen, lieber gleich zu den Fiktionen zu greifen. Mir persönlich reichts jetzt erstmal mit Borges. Vielleicht ein später noch einmal, wenn ich dieses Buch fertig verdaut habe.
Edward Gorey – Großmeister des Kuriosen: Vorgestellt von Walter Moers by Walter Moers

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dark funny informative inspiring fast-paced

5.0

Der Buchtitel verrät es schon – Walter Moers stellt Edward Gorey, den außergewöhnlichen Illustrator und Autor, vor. Ich bin absolut fasziniert – ich hatte von Gorey bis dato noch nie gehört, stellte aber während der Lektüre dieses wunderschön aufgemachten Buches fest, dass er einen großen Einfluss auf viele Autor:innen hatte, die ich sehr schätze – allen voran natürlich Walter Moers selbst. Dass dessen Zamonien-Romane nicht nur in der Optik sehr aus Goreys Vorbild schöpfen, ist offenkundig.
Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Moers, gefolgt von einem Abecedarium mit relevanten Begriffen rund um Gorey. Gewappnet mit dem so erworbenen Grundwissen können wir Lesende anschließend in bunter Abfolge eine Auswahl an Goreys Werken sowie kürzere Kapitel zu ausgewählten Spezialthemen (etwa zu den von ihm handgenähten Puppen oder seiner Liebe zum Ballett) genießen.
Die Bildgeschichten sind jeweils mit gelungener deutscher Übersetzung und dem englischen Original abgedruckt, sodass es möglich ist, sie bequem und ohne zum Wörterbuch greifen zu müssen zu lesen. Mir hat „Die Harfe ohne Saiten“ am besten gefallen … ich fühle so mit Mr. Earbrass, der eigentlich sein Buch plotten wollte, aber stattdessen andauernd an den letzten Keks auf dem Servierteller denken muss. :D
Der ersten Auflage dieses für Fans abgefahrener Tuschezeichnungen und morbiden Humors sehr empfehlenswerten Buchs liegt außerdem eine Original-Gorey-Fälschung von Moers bei. Sie zeigt eine Moers’sche Interpretation des fragwürdigen Gasts, unterschrieben vom Zitat „The helpful thought für which you look is written somewhere in a book." Gorey verfügte über eine absurd große und wilde Bibliothek (25.000 Bücher oder so?) und wusste sicher, wovon er sprach, als er das schrieb. Allerdings war er auch Fan von Borges und wer dessen Bibliothek von Babel kennt, ahnt, dass das Zitat vielleicht nicht ganz so hoffnungsfroh ist, wie es sich auf den ersten Blick liest. :D
Ich liebe einfach alles an diesem Band und werde sicher noch oft hineinblättern. Ganz zu schweigen davon, dass ich mich ganz gesichert auch noch weiter mit Edward Gorey befassen werde.
Ein wundervolles Jahr 2024, das für mich mit Moers anfing und endete. Grandios!
"Einige Herren sagten etwas dazu": Die Autorinnen der Gruppe 47 by Nicole Seifert

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informative reflective medium-paced

4.0

Eine Inhaltsangabe erübrigt sich bei diesem Buch, denn der Titel sagt es bereits – es geht um die Autorinnen der Gruppe 47. Die Gruppe 47 ist sicherlich den meisten von uns noch aus dem Deutschunterricht ein Begriff. In Vorbereitung auf dieses Buch habe ich allerdings mit einem gewissen Erschrecken festgestellt, dass ich offenbar nichts von irgendjemandem, der (oder die) dieser Gruppe zugerechnet wird, je gelesen habe, sehen wir einmal von ein paar Kinderbüchern von Peter Härtling ab.

Glücklicherweise taugt Nicole Seiferts Buch ganz nebenbei auch als Einführung in die Gruppe, denn deren Entstehung, historische Entwicklung, inhaltliche Ausrichtung und die bekanntesten männlichen Vertreter werden in ausreichendem Umfang mit vorgestellt, sodass eine Einordnung der im Fokus stehenden Autorinnen in diesen Kontext auch ohne größere Vorkenntnisse gelingt.

Den Schwerpunkt des Buches stellt die Vorstellung dieser zu größeren Teilen in Vergessenheit geratenen (oder gedrängten) Autorinnen aus dem Umfeld der Gruppe 47 dar. Angefangen bei Ilse Schneider-Lengyel, in deren Haus die Gruppe gegründet wurde, bis hin zu Elisabeth Plessen, Barbara Frischmuth und Renate Rasp, die auf der letzten großen Tagung 1967 mit ihren schroffen Texten schockierten, werden insgesamt 17 Frauen vorgestellt. Ihre Biografien, ihr Werk und ihre Verbindung und Beziehung zur Gruppe 47 werden dargestellt, teils werden Gedichte mit abgedruckt.

Es lohnt sich, vorab Seiferts Buch „Frauenliteratur“ gelesen zu haben, denn anhand des Umgangs mit den Autorinnen der Gruppe 47 werden viele der Mechanismen, mit deren Hilfe Frauen als Autorinnen aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt werden, deutlich. Zwei dieser Mechanismen sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Zum einen wurden die Autorinnen, insofern über sie geschrieben wurde, oft nicht als reale Personen, sondern als geradezu mythische Figuren dargestellt. Da ist die Rede von Melusinen und Undinen, einer Sphinx und Medusa. „Für Spezifisches, für gebrochene Bilder, für reale Frauen wurde in den Texten, die Männer über Autorinnen der Gruppe 47 verfasste, kein Raum geschaffen.“ Diesen Raum schafft Nicole Seifert, indem sie die Biografien der Frauen in den Vordergrund stellt und die damit verbundene Frage, wie ihr Werk vor diesem jeweiligen Hintergrund einzuordnen ist. Es zeigt sich – im Grunde sollte das wenig überraschen – dass ganz unterschiedliche Frauen aus unterschiedlichen sozialen Kontexten und mit ganz verschiedenen Lebensrealitäten und Schicksalen über die Jahre hinweg vor der Gruppe 47 vortrugen.

Zum anderen wurden Frauen systematisch unter den Tisch gekehrt. Die Namen nicht weniger der vorgestellten Autorinnen und ihr Werk musste Seifert aufwendig nachrecherchieren, weil ihnen in den offiziellen Darstellungen über die Gruppe 47 kein Raum eingeräumt wurde. Wurde ihnen Raum gegeben, dann mit einem fast schon genüsslichen Blick auf ihr tragisches Schicksal, ihren ‚fall from grace‘ – denn eine Frau, die Erfolg hat, ist im System einfach nicht vorgesehen und muss am Ende zum Scheitern verurteilt sein. „Eine der männlichen Tradition vergleichbare Tradition weiblichen Schreibens, in der nachfolgende Schriftstellerinnen sich sehen können, Vorbilder, denen sie folgen könnten, gibt es deshalb nicht.“ (beziehungsweise hat es nicht zu geben, in der Erzählung davon, in welche Rollen Frauen gehören und in welche nicht …)

Seifert zeigt zudem eindrücklich, welche fatalen Folgen diese (Nicht- bzw. Falsch-)Darstellung für die betroffenen Frauen hatte, persönlich wie in Bezug auf ihre schriftstellerischen Karrieren.

Seiferts Abhandlung über die Frauen der Gruppe 47 ist also in zweierlei Hinsicht eine bereichernde Lektüre: Einerseits, weil sie anhand eines konkreten Fallbeispiels systemische Probleme im Literaturbetrieb aufzeigt und andererseits, weil sie ganz nebenbei eine Reihe von Autorinnen ins Rampenlicht rückt, die in vielen Fällen ebenso viel Beachtung verdient hätten, wie ihren männlichen Kollegen zuteilwurde.

Allerdings: Mir persönlich hat das Buch keine der vorgestellten Autorinnen und ihr Werk sonderlich schmackhaft gemacht (die Männer sowieso nicht). Das ist einfach nicht die Art Literatur, die ich gerne in meiner Freizeit lese. Ganz ehrlich … diese ganze Gruppe und ihre inhaltliche Ausrichtung liest sich für mich wie eine der Keimzellen einer Literaturströmung, die ich am ehesten als „Neue Deutsche Langeweile“ bezeichnen würde.

Als Fallbeispiel für die Verachtung weiblichen Schreibens eine bereichernde Lektüre und sehr empfehlenswert. Ich hoffe immer noch darauf, dass es eines Tages eine vergleichbare Fallstudie aus dem Bereich der speculative fiction geben wird, von der ich dann auch im Hinblick auf Lektüreempfehlungen einen größeren Gewinn hätte.

Das Eulentor by Andreas Gruber

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adventurous dark mysterious fast-paced
  • Plot- or character-driven? Plot
  • Loveable characters? It's complicated

3.0

1911 führt ein angehender Forscher und Arztsohn aus Wien, Alexander Berger, eine Expedition in die eisige Kälte Spitzbergens. Der Plan, die Küste zu kartografieren, scheitert - doch im Verlauf dieser ersten Expedition entdecken Berger und sein Team etwas viel Interessanteres: Ein scheinbar endlos in die Tiefe reichendes Loch. Die fantastische Entdeckung zieht nicht nur Berger, sondern auch zahlreiche andere Menschen in ihren Bann. 2021 macht sich Nele Tujunen, in den Besitz von Bergers Tagebuch gekommen, auf den Weg zur offiziell überhaupt nicht existenten Forschungsstation Sibirion, um dort das Geheimnis der dunklen Tiefen zu lüften. Was befindet sich am Grund des Schachtes?

Der Mystery-Thriller wurde mir im heimischen Buchclub ans Herz gelegt, weil er Lovecraftischen Horror mit der Spannung eines Thrillers vereint. Und es wurde nicht zu viel versprochen: Das Buch ist ein echter Pageturner. Immer tiefer geht es hinab und wie Berger und seine Mitstreitenden wollte auch ich unbedingt wissen, was als nächstes käme und natürlich was denn nun ganz unten im Schacht ist - falls es ein "ganz unten" überhaupt gibt. Die Beschreibungen der von der Faszination des Schachtes getriebenen Personen und den fortschreitenden Forschungen waren stimmungsvoll und fesselnd. Die Rahmenhandlung um Nele lockerte die Handlung dabei immer wieder auf, sodass es nie eintönig wurde und wir als Lesende uns aus mehreren Richtungen dem Geheimnis der dunklen Tiefen nähern.

Was mir nicht so gefiel, war die Art und Weise, wie uns eine Erzählung aus der Ich-Perspektive als "Tagebuch" verkauft wurde. Mensch hatte Berger viel Zeit zum Schreiben. Und was der dabei nicht alles zu Papier brachte. Ich hätte es plausibler gefunden, hätte es sich um spätere Interviews oder Tonbandaufnahmen gehandelt, denn Berger erzählt wirklich sehr kleinteilig und kein Mensch formuliert so sein Tagebuch. Noch unplausibler wurde es bei anderen "historischen Quellen". Dramaturgisch passen die alle toll in die Handlung, aber wie sie formuliert waren und welche Informationen enthalten waren, hat mich nicht recht überzeugt. Gerade nachdem ich vor Kurzem "Der Historiker" las, in dem die Recherchen und fiktiven Quellen so überzeugend konstruiert waren, fiel mir hier auf, dass sie nur als Mittel zum Zweck der Erzählung dienten.

Die Auflösung des Ganzen ließ mich etwas enttäuscht zurück, aber nachdem derart gekonnt Spannung ums Unbekannte aufgebaut wurde, wüsste ich auch nicht, was am Ende hätte herauskommen sollen, das nicht irgendwie ein wenig enttäuschend gewesen wäre.

Die Review klingt jetzt ziemlich negativ aber das Buch war von diesen kleineren Mängeln abgesehen wirklich monstermäßig spannend und, nachts gelesen, auch ziemlich gruselig. Unterhaltsame Lektüre für Zwischendurch.
Lustiges Taschenbuch Premium 44: Das gläserne Schwert by Walt Disney

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  • Plot- or character-driven? Plot
  • Strong character development? No
  • Loveable characters? Yes
  • Diverse cast of characters? It's complicated
  • Flaws of characters a main focus? No

5.0

Ein Sammelband mit den drei Asgardland-Geschichten aus dem LTB 124 von Massimo de Vita, ergänzt um eine Geschichte aus dem LTB Sonderband Weihnachten 1 vom selben Autor in Zusammenarbeit mit Fabio Michelini und einer brandneuen Geschichte, die hier erstmals auf Deutsch veröffentlich wird, von Marco Nucci und Cristian Canfailla. 

Für alle die traurigen Menschen, die die Asgardland-Saga noch nicht kennen, hier kurz, worum es geht: In Asgardland herrscht der schreckliche Fürst von Niflheim. Doch die Ulis aus Ululand wollen sich die Unterdrückung nicht länger gefallen lassen und wenden sich hilfesuchend an den Weisen Jor. Dieser weiß, dass nur der legendäre Alf ihnen dabei helfen kann, das sagenumwobene Gläserne Schwert zu finden, mit dessen Hilfe er den Fürsten von Niflheim schon einmal in die Verbannung zu schicken vermochte. Alf jedoch stammt aus einer anderen Dimension - und in die muss der ängstliche Uli Frithjof nun reisen, um ihn zu holen. Leider beherrscht Frithjof das Reisen mit dem Dimensionsvektor nicht besonders gut und landet stattdessen in Entenhausen - mitten in Mickys Vorgarten am Weihnachtsabend. Eher zufällig gelangen dann Micky und Goofy nach Asgardland. Und um ihren neuen Freund Frithjof nicht hängenzulassen, stellt sich Goofy als "Vetter von Alf" vor, der an seiner statt zur Weltrettung vorbeigeschickt wurde. Es beginnt eine abenteuerliche Reise durch ganz Asgardland ...

Sorry an alle Bekannten von mir, denen ich mit diesem Buch bereits ein Ohr abgekaut habe, aber ich LIEBE die Asgardlandsaga. Als Kind habe ich sie ziemlich oft gelesen, das alte Büchlein ist ganz zerfleddert. Und sie hält dem Test der Zeit stand - die ist immer noch wahnsinnig gut. Es ist eine schöne Fantasygeschichte mit sympathischen Hauptcharakteren und einem ziemlich coolen Hintergrund. Es gibt sooo viel zu entdecken in der Geschichte. Anlehnungen sind erkennbar - logisch - an den Herrn der Ringe und nordische Sagas, aber auch an Jack Vance (ziemlich viele SciFi-Elemente) und stellenweise an Asterix (dieses Dorfgelage im Weihnachtsabenteuer ... da fehlt nur noch das Wildschwein^^).

Außerdem bin ich ja erklärter Micky-und-Goofy-Fan und diese hier ist überdies eine der schönsten Erzählungen um die beiden Charaktere.

Die Saga ist bereits mehrfach neu aufgelegt worden. Aber dieser Band hat mich mit der neuen Geschichte gelockt. Und die war, wenn auch in aktuellerem Stil gezeichnet, auch sehr angenehm zu lesen. Klar - den größeren Nostalgiefaktor haben natürlich die alten Geschichten meiner Kindheit. Aber die Nachfolgeerzählung ist offenkundig von Leuten bearbeitet worden, die sich wirklich Gedanken gemacht haben, wie man die Geschichte sinnvoll fortsetzen könnte und das hat mir gut gefallen.

Ja also, wenn ihr noch darauf gewartet habt, diese Perle aus dem Entenhausen-Kosmos endlich zu lesen - das ist eure Gelegenheit.
Menschenwolf by Andrea Weil

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  • Plot- or character-driven? Character
  • Strong character development? Yes
  • Loveable characters? It's complicated
  • Flaws of characters a main focus? Yes

4.0

Hätte jemand dem Biologen und Wolfsexperten Nick erzählt, dass ihm einmal ein waschechter Werwolf in die Falle gehen würde, hätte er der Person sicherlich den Vogel gezeigt. Doch genau das passiert - auf einer Einfangaktion sitzt plötzlich Isa vor ihm, die vor wenigen Augenblicken noch ein Wolf zu sein schien. Er verspricht, ihr Geheimnis zu wahren und lässt sie gehen - doch die verschlossene junge Frau fasziniert ihn und lässt ihn nicht los. Lohnt es sich, für sie nicht nur die Freundschaft zu seinem besten Freund, sondern auch seine berufliche Integrität und Zukunft zu riskieren?

Endlich bin ich dazu gekommen, diesen Roman zu lesen. Nachdem mir der Vampirroman der Autorin ("No Pflock") so gut gefallen hatte, hatte ich ihn auf meiner Liste. Und es hat sich auch hier wieder gelohnt, über das Cover hinwegzusehen, das zwar lange nicht so mies ist wie das von "No Pflock", aber doch deutlich cheesiger aussieht, als der Roman eigentlich ist.

Tatsächlich ist die Handlung sogar bewusst bodenständig. Keine übertriebene Action, keine Alphaverse-Anwandlungen, kein langweiliges Schema F. Dass der Autorin das Thema Wölfe sehr am Herzen liegt, merkt man dem Roman in bester Weise an. Insbesondere die Darstellung der verschiedenen Akteure (Wolfsbeauftragte, Jäger, Polizei, Anwohner:innen, Medien ...), die sich mit Wölfen in Deutschland auf lokaler Ebene befassen (dürfen oder müssen) und wie sie miteinander interagieren, ist trefflich gelungen, ohne einzelne Parteien zu verurteilen oder ins Lächerliche zu ziehen. Auf dieser Grundlage kann dann auch das Geheimnis der Werwölfin Isa, die sich Nick nach und nach öffnet und ihre Geschichte erzählt, wirken.

Das Buch lässt sich Zeit mit der Erzählung. Ich mochte das, kann aber auch verstehen, wenn es Leuten schwerfällt, in die Handlung reinzukommen. Gerade in der ersten Hälfte ist nicht ganz klar, worauf die Handlung hinauslaufen soll, geht es doch vielmehr um Isas Geheimnis selbst und die Beziehung Isas und Nicks. Der Druck von außen kommt erst in der zweiten Hälfte und bringt dann deutlich mehr Fahrt in die Angelegenheit.

Definitiv wäre es angemessen, dem Buch Inhaltswarnungen voranzustellen, denn nicht jedes Thema hätte ich hier erwartet anzutreffen. Ich verstehe aber auch, warum die Autorin sich entschieden hat, keine zu setzen - es sind leider major Spoiler. Schwierig.

Alles in allem sehr lesenswert, gerade weil es nicht so viele Werwolfromane gibt, die sich in diesem Umfang vom Leben echter Wölfe inspirieren lassen. Ich mochte "No Pflock" lieber, aber das liegt sicher an meiner allgemeinen Vorliebe von Vampiren gegenüber Werwölfen. :D Wenn ihr Bock auf Werwölfe in einem realistischeren Setting habt, schaut in dieses Buch rein, ihr werdet nicht enttäuscht.

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Martians, Go Home by Fredric Brown

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adventurous funny lighthearted fast-paced
  • Plot- or character-driven? Character
  • Strong character development? It's complicated
  • Loveable characters? It's complicated

3.0

 Die Invasion der Marsmännchen ist plötzlich da - und sie fällt ganz anders aus, als wir es alle gedacht hätten. Die Marsianer sind offenkundig von dem Gedanken beseelt, den Erdlingen möglichst umfassend auf den Sack zu gehen. Dabei sind sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht angreifbar. Niemand kann sich dagegen wehren, dass ihm eine luftige Existenz vom Nachbarplaneten nach Kräften und unter Ignoranz jeglicher Privatsphäre auf die Nerven fällt. Der SciFi-Autor Luke Deveraux ist nicht der einzige, der sich im allgemeinen Chaos plötzlich nach einem neuen Job umsehen muss und sehr gern wüsste, wie man die lästigen Besucher wieder loswird.

Habe ich für unseren Anhang-N-Buchclub gelesen. Es war ganz witzig aber der Witz läuft sich so in der Hälfte vom Buch tot und am Ende gingen mir die Marsianer mindestens genauso auf die Nerven wie allen Betroffenen im Buch. Die ganze Handlung las sich für mich ein wenig wie das Ergebnis eines weinseligen Brainstormabends zum Thema: "Was wäre, wenn Marsianer auftauchen, aber sie sind voll nervig". Ich glaube fest daran, dass Luke Deveraux nicht der einzige ist, der unter einer Schreibblockade litt, als er sich diesen Marsianern widmete.

Immerhin - schreiben kann Fredric Brown. Das kurze Büchlein liest sich fix weg und ich musste einige Male gut unterhalten schmunzeln. Kein must read, aber es war auch nicht mies.